Aus dem Kirchenbautagebuch 1841/42, Notizen von Pfarrer Schulz
Vorgeschichte:
Die alte Kirche wurde zu klein: man fertigte ausklappbare Seitenbänkchen, damit jeder Gottesdienstbesucher sitzen konnte.
Zudem war die Kirche baufällig geworden, man stützte schon die Emporen ab, damit sie nicht unter den Besuchern nachgaben.
Bloße Reparaturen lehnte 1838 Kreisamtmann Reinhard ab. Man musste an einen Neubau denken, für dessen Bau eine bereits
gesammelte Kollekte 1833 aus der Sakristei gestohlen wurde.
Anfang 1840 ließ man im Granitsteinbruch an der Neumühle 42 Ruten Steine (zu je 64 Kubikellen) für den Kirchenbau anfahren
und im Pfarrgarten lagern. Da es nicht gelang, vom alten Bau den Kirchturm mit der neuen Kirche zu verbinden, erhöhte sich
der Kostenvoranschlag auf 12.000 Taler. Die Kreisdirektion schlug einen Bauplan des Architekten Arndt aus Dresden vor. Das
Kultusministerium gewährte auf einen entsprechenden Antrag einen Vorschuss von 6.000 Talern zu 3% Zinsen und jährlicher Rückzahlung von 500 Talern.
Die Ausschreibung ergab Amtsmauermeister Ilschner, Meißen, für 5.400 Taler und Zimmermeister Leibhold aus Diera für 2810
Taler als Hauptauftragnehmer. Bauaufseher war Herr Grille aus Löbsal mit einem Gehalt von 70 Talern pro Jahr.
Der Abriss der alten Kirche:
Am Sonntag, den 18.4.1841, war der letzte Gottesdienst in der alten Kirche, nachmittags wurden Altargemälde sowie das heute
noch vorhandene Denkmal (Epitaph) des Majors von Wiedemann aus dem Jahre 1743 vorübergehend entfernt. Tags darauf begannen
die Abbrucharbeiten. Dabei entdeckte man im Altarbereich Grüfte von Wiedemann aus dem 18. und derer von Miltitz aus dem
16./17. Jahrhundert. Die Glocken wurden heruntergenommen und in einem provisorischen Glockenhäuschen aufgehängt. Der Turm
wurde teilweise mit Pulver gesprengt. Täglich arbeiteten 17 Maurer, insgesamt 44 Leute. Ein Maurer verdiente damals täglich
9 Groschen, ein Zimmermann 8 Groschen, ein Handlanger 7 Groschen für ca 12 Stunden Arbeit. Ein Taler waren 24 Groschen
= 288 Pfennige, später 30 Neugroschen = 300 Pfennige. Das Schock Eier (60 Stück) kostete 10 Groschen.) Die Fundamenttiefe
der Kirche betrug 3,5 Ellen und die Breite 3 Ellen (eine Elle entspricht ca 55 cm).
Grundsteinlegung am 3. Juni 1841:
Folgender Text wurde in den Grundstein eingelegt und bereits nach 166 Jahren können wir hier nun auf der Website unserer
Kirchgemeinde Zadel den Gruß unserer Vorfahren lesen, ohne in die Grundfesten unserer Kirche vordringen zu müssen:
"In unserem Vaterlande, ja in ganz Europa herrscht Friede und Ruhe. Möchtet auch Ihr, die Ihr nach Jahrhunderten diese
Zeilen lesen werdet, mit den Segnungen des Friedens, mit Gesundheit und Zufriedenheit beglückt werden. Wir, eure Vorfahren,
sind dann längst eingegangen in die Wohnung des ewigen Friedens. Empfangt von dorther noch unseren Segen. Im Auftrag der
ganzen Kirchfahrt hinterlassen wir euch mit den schönsten Wünschen für das neu zu erbauende Gotteshaus hier noch unsere
Namen:
Zadel, am 3 ten Juni Eintausendachthunderteinundvierzig.
Carl Hermann Schulz, Pastor; Christian Friedrich Nitzsche, Organist und Schullehrer; Johann Julius Palm..."
Baufortschritte:
15.8.1841: Heut sind die Mauern der neuen Kirche bis zu der bestimmten Höhe von 19 Ellen (ca. 10 Meter) heraufgegangen...
Das Kreuz, was gegen Osten in das Achtort äußerlich mit eingemauert ist, befand sich in der alten Kirchhofmauer im
Pfarrgarten, und stammt wahrscheinlich aus frühesten Zeiten, ohne seine Bedeutung zu wissen.
23.8.1841: Zimmermeister Leibhold hält die Heberede. Wir sangen: "Nun danket alle Gott"...
Ende 1841: Der Turm steht bis zum Holzwerk in einer Höhe von 40 Ellen (ca. 22 Meter).
Dezember 1841: Der Altar wird gefertigt, die Kirchenfenster werden eingesetzt, Türen, die Emporen sind samt Sitzen fertig.
Frühjahr 1842: Der milde Winter ließ die Arbeiten gut vorankommen, die Kirche wurde innen geweißt und das Holzwerk gestrichen.
06.06.1842: Schieferdecker Streubel aus Dresden beginnt, den Turm mit englischem Schiefer einzudecken.
14.6.1842: Knopf und Kreuz wurden auf dem Turm angebracht. Herr Pastor Schulz hielt eine herrliche Rede über den
Satz: "Das Kreuz steige in die Höhe, der Glaube hernieder."
22.6.1842: Die beiden neugegossenen Glocken von Glockengießer Gruhl aus Kleinwelka (bei Bautzen/OL) wurden
überbracht. Sie wogen zusammen 13 Zentner 44,5 Pfund (672,25 Kilogramm). Er nahm die beiden alten dafür an, die 10
Zentner 68,5 Pfund wogen (534,25 Kilogramm) wogen, und wir mußten noch für neues Metall und Eisenwerk 410 Taler
"herausbezahlen". Die Glockenweihe wurde durch starkes Regenwetter gestört. Nachdem sie eingebaut waren, wurde über eine
Stunde lang (per Hand!) gelautet...
August 1842: Der Architekt stellt bei der Bauabnahme Mängel beim Innenausbau fest, deren Abstellung versprochen
ward. Die Emporen wurden in verschiedene Klassen eingeteilt, der Sitz kostete zwischen 5 und 1 Taler. Sollten mehr
Bewerber für eine Klasse sein, als Plätze, entschied eine Auktion...
Einweihung am 21. August 1842:
Am 13. Sonntag nach Trinitatis war die feierliche Einweihung. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich
eingefunden, und die neue Kirche war gedrängt voll, und konnte nicht alle fassen. Die Weihe übernahm Superintendent
Dreschke (und erhielt hierfür 1 Taler und 12 Groschen), die Feier gestalteten die Gesangsvereine "Liedertafel" aus Meißen
und "Orpheus" aus Dresden. Hauptgutsbesitzer Palm schenkte den Taufstein aus Serpentin.
Statistisches und Interessantes:
Die Größe der Gemeinde 1836 betrug in allen Dörfern eingeschlossen Göhrisch 162 Feuerstätten mit 1.103 Einwohnern.
Jährlich erfolgten 40 - 70 Taufen, 12 - 35 Trauungen sowie 15 - 53 Beerdigungen. Die Gesamtkosten des Kirchenbaus beliefen
sich auf 13.433 Taler. Die Kosten wurden je Kopf (monatlich 2 Groschen) und auf Steuereinhaiten umgelegt. Nach wenigen
Jahren waren die Bauschulden abgedeckt. Am 23.6.1852 zerschlug ein Hagelwetter 86 Scheiben in der Kirche. Bei verzögerter
Kindtaufe (nach 3 bzw. 8 Tagen) sowie bei fälschlich sich beigelegter Jungfrauenschaft waren je 1 Taler als Kirchenstrafe
zu zahlen....