Es ist schwierig für einen Pfarrer einen Überblick zur Kirchengeschichte zu geben, muss er sich doch erst einmal um die "Gegenwart" kümmern. Und dann gibt es
nicht die "Kirchenchronik", sondern eine Vielzahl von nachlesbaren Momentaufnahmen aus dem Ergehen des Gemeinwesens, die dann aus der Sicht und dem Interesse
der Nachfahren zusammengestellt worden sind. So auch hier. Diese Seite wird Interessantes aus der Dorf- und damit zusammenhängenden Kirchenhistorie zeigen.
Das Nennen eines Ereignisses oder einer Jahreszahl allein schildert nur unvollkommen die zurückliegende Zeit. Was ging in den Bewohnern des Dorfes wirklich vor,
wie änderte sich ihr Alltag, wenn wir heute lesen, dass z. B. die 1074 erstmalig erwähnte Burganlage zadili samt Liegenschaften und Bewohnern 1216 vom
Landesherren an das Zisterzienserkloster Altzella bei Nossen verkauft worden ist?
Immerhin läßt eine 1273 gegossene, leider nicht mehr vorhandene, Marienglocke auf eine gewisse Größe des Kirchenbaues deuten. Die 1539 in Sachsen
durchgeführte Reformation wurde erst ab 1550 in Zadel praktiziert. Die Kirche überstand den Hussitenkrieg 1429 und auch halbwegs die Verwüstungen im
Dreißigjährigen Krieg. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wurde die Kirche dann baufällig und zu klein - eine neue sollte erbaut werden. 1195 wird eine dem
heiligen Andreas geweihte Kirche erwähnt, die bis 1241 noch von Meißen-Zscheila aus betreut wurde.
Nachdem im Vorfeld des Baues zweimal die Ersparnisse geraubt wurden, nahm man ein Darlehen über 6000 Taler zu 3% (wie waren die Banken damals bescheiden)
auf und begann im Frühjahr 1841 mit dem Abriss der alten Kirche. Schon im August 1842 konnte die neue Kirche geweiht und die Schulden "in wenigen Jahren"
bezahlt werden. 50 Jahre später wurde die Kirche im Geschmack der Zeit ausgemalt. Von außen wirkt die Zadeler Kirche heute freundlich und baulich solide. Das ist
dem unermüdlichen Einsatz meiner Vorgängerin im Amt, Frau Pastorin Hieke, und der Opfer- und Hilfsbereitschaft vieler Gemeindeglieder und Dorfbewohner zu danken.
Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, welchen Aufwand es zu DDR-Zeiten bedurfte, vor allem das nötige Kupferblech für den Turm zu besorgen. Inzwischen haben
wir auch die Renovierungen des Innenraumes abgeschlossen, welche mit ca. einer halben Million DM veranschlagt waren. Die Schäden sind u. a. auf die Beschießung
unserer Kirche in den letzten Kriegstagen zurückzuführen. Wie zu lesen ist, kamen die Schüsse aus Zehren von der Wehrmacht und galten vor allem der gehißten weißen
Fahne am Kirchturm. Allerdings war die Kirchgemeinde nicht in der Lage, die aufwendige Renovierung allein zu bezahlen. Dafür waren wir zum großen Teil auf
Denkmalmittel des Freistaates Sachsen angewiesen.
Es wäre doch schön, wenn der Ort Zadel, vom Ursprung gedacht als eine Verteidigungsanlage deutscher Siedler, als ein offenes und freundliches Dorf die Besucher
zum Verweilen in dieser reizvollen Gegend anlockt. Vieles hat sich diesbezüglich schon getan und einiges ist am Wachsen. Inmitten des Dorfes wünsche ich mir eine
Kirche mit offenen Türen (von Morgens bis zum Einbruch der Dämmerung kann die St.-Andreas-Kirche übrigens täglich besichtigt werden) und einem ihrer frohen
Botschaft stets angemessenen Inneren. Der berühmte, vorchristliche, Götze im dritten Stock des Turmes ist fest eingemauert und tut niemandem mehr etwas. Dafür
verbürge ich mich.
Ihr Pfarrer Dietmar Pohl