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Wein - ein göttliches Getränk

"Diesseits der Alpen und in ganz Nordeuropa geht die Geschichte der Ausbreitung des Christentums Hand in Hand mit der Verbreitung des Weinstocks."

Dieser Satz macht neugierig. Wein und Christentum? Natürlich! Wein wird ja schließlich beim Abendmahl verwendet. Und außerdem gibt es Erzählungen vom Wein im Neuen Testament: Gleichnisse, die von Weinbergspächtern und -besitzern oder von Arbeitern im Weinberg handeln. Und wie war das bei der "Hochzeit zu Kana" - da ging es doch um viel Wein? Wein muss also eine besondere Bedeutung in der Bibel haben.

Wir nehmen ein Stichwortverzeichnis zur Hand. Weit mehr als 200 Bibelstellen sind da unter dem Begriff "Wein" aufgelistet. Die biblischen Autoren kannten sich aus mit Eigentumsverhältnissen, Anpflanzungen und Pflege der Reben, mit Ernte und Verarbeitung der Trauben. Und sie wussten auch etwas über die Wirkung des vergorenen Traubensaftes. Das ist nicht verwunderlich. Archäologische Funde lassen vermuten, dass der Ursprung der Weinbereitung im vorderen Orient liegt. 1969 fand man in einem Hügelgrab eine kleine Traubenpresse und Kerne von Weinbeeren, deren Alter auf 8000 Jahre geschätzt wurden.

Schon früh wurde dem Wein eine lebensfördernde Wirkung zugewiesen. So waren die Schriftzeichen im alten Mesopotamien, heute Irak, für Wein und Leben ein und dieselben. Verständlich, dass Weingärten und -bergen eine besonders aufmerksame Pflege galt. In einem alten rabbinischen Sprichwort heißt es:

"Der Weinstock ist eine Dame, die Olive eine Beduinin, der Feigenbaum eine Bäuerin".

Die "Dame" will gehegt und gepflegt sein, bei der "Bäuerin" dagegen kann man wohl Robustheit voraussetzen. Der Vergleich mit einer "Dame" macht aber auch deutlich, dass Wein nicht alltägliches Lebensmittel war, das lediglich gegen den Durst half. Er war das Besondere, das heilende Wirkung haben konnte, fröhlich machte und eine Mahlzeit zu einem Festmahl werden ließ. Ein bisschen Luxus schwingt da meist mit. Aber auch die Kehrseite des Weingenusses wird in der Bibel nicht verschwiegen: Wein trübt die Sinne, mindert das Unterscheidungsvermögen, macht gewalttätig. An die Regierenden ergeht die Mahnung:

"Ergib dich nicht dem Trunk! Wein und Bier sind nichts für Könige. Wenn sie sich betrinken, vergessen sie, was ihnen aufgetragen ist und sorgen nicht dafür, dass die Armen zu ihrem Recht kommen" (Sprüche 31,4).

Erstaunlich ist allerdings der nächste Satz:

"Bier und Wein sind gut für den, der am Ende ist; der mag sich betrinken und seinen Kummer vergessen".

Auch wenn das so in der Bibel steht, sollte man sich lieber nicht danach richten. Halten wir es darum mit Sirach 31,32:

"Wie Lebenswasser ist der Wein dem Menschen, wenn er ihn mäßig trinkt".

Zur Geschichte des Weines.

Die Weinrebe ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschen. In der Bibel wird berichtet, dass schon Noah an den Hängen der kaukasischen Berge Wein angepflanzt hat, nachdem er mit seiner Arche nach der Sintflut auf dem Berge Ararat gelandet war und die Wasser sich verlaufen hatten. Die Wissenschaft bestätigt, dass die Wiege des Weinstocks in Kaukasien stand. Ins Elbtal soll der Sage nach Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen Bischof war, den ersten Weinstock gebracht haben. Auf jeden Fall ist der Weinbau an der Elbe älter als 840 Jahre. Vermutlich haben Franken den Weinbau über Thüringen in unsere Region gebracht, als im 10. Jahrhundert die deutsche Besiedlung unserer Gegend begann. Die erste Urkunde stammt von 1161, in der Markgraf Otto der Reiche bestätigt, dass er einen Weinberg nahe der Elbe, der schon gut im Ertrag stand, der Egidienkapelle schenkte. Diese soll sich auf dem Burggelände oder gegenüber befunden haben. Die Gründung Meißens war also keine 200 Jahre her, als die Bewohner mit dem Weinanbau begannen. In seiner größten Ausdehnung umfasste das Weinanbaugebiet rund 5000 ha Rebfläche. Nach der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts schien der Wein für immer aus dem Elbtal verbannt.

Doch dann gelang es, die Reben auf reblausresistente amerikanische Unterlagen zu pfropfen und einen Neuanfang zu wagen. In der 1938 gegründeten Sächsischen Winzergenossenschaft sind heute etwa 2.300 Mitglieder erfasst.

Einige Fakten zum heutigen Weinbau in Sachsen.

Das sächsische Weinanbaugebiet mit seiner Rebfläche an der Oberelbe von ca. 420 ha ist von den 13 Weinanbaugebieten Deutschlands das Kleinste. Im Vergleich dazu: Das Pfälzer Anbaugebiet ist mit 23.000 ha das Größte. Im 18. Jahrhundert soll die Anbaufläche über 2.000 ha betragen haben. Der sächsische Wein wird in der nordöstlichsten Gegend in Deutschland angebaut, in der überhaupt noch Wein angebaut wird. Wo hier die Rebstöcke nördlich des 55. Breitengrades beginnen, hören sie am Rhein, bei Bonn, bereits auf! Die Weinstöcke unserer Gegend wachsen 55 km entlang der Sächsischen Weinstraße - meist rechts der Elbe. Von Pirna bis Diesbar-Seußlitz. Der mittlere Ertrag liegt bei 45 Hektolitern pro ha, in anderen Weingegenden Deutschlands wird mitunter das 2-3fache geerntet. Die Hauptsorte der Meißner Weine ist der Müller Thurgau mit einem Anteil von 27%. Er stellt nur geringe Ansprüche an den Boden, reift relativ früh, verträgt auch einigen Frost und gilt als relativ ertragssicher. Die Weinlandschaft ist geprägt von steilen Terrassenanlagen, die sich in unserer Elblandschaft doch sehr reizvoll ausnehmen.

Bis ins 16. Jahrhundert war diese Anbauweise hier nicht üblich. Erst Christian II. ließ 1604 die ersten terrassierten Weinberge bei Cossebaude mit Trockenmauern anlegen, so dass der Wein nun auch an den steilen Abhangböschungen angebaut werden konnte. Der günstige Einstrahlwinkel der Sonne und die Wärmespeicherung durch die Steinmauern verbesserten die Qualität des Weins.

Bereits im 17. Jahrhundert hatten die Bauern allerdings erkannt, das sich der Luxusartikel "Wein" zu besseren Preisen vermarkten ließ, als herkömmliche Feldfrüchte. So kam es in der Region zu einer Überbesetzung der Fluren mit Weinstöcken. Das Edikt Christian II. in 1604 lautete daher folgerichtig wörtlich: "Wo ein Pflug kann gehen, soll kein Weinstock stehen." Insofern wurde eine Regulierung der Landwirtschaft vorgenommen und der Anbau der Weinstöcke auf die oberen Lagen verschoben. Freilich erhöhte sich dadurch die Qualität zu Ungunsten der Quantität, was durch den Erlass auch gewollt war und die Versorgung mit der Ernährung dienenden Feldfrüchten wieder in ein sinnvolles Maß brachte.

Text nach Frau Ursula Liebau, Pfarrerin i.R., Meißen

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Jörg Düring, Am Sand 10, 01665 Nieschütz (C) 2007